Vision Nibelungenbahn
Die B47 ist mit über 20 000 Pkw/Tag am Querschnitt zwischen Bürstadt und Lorsch eine der am stärksten belasteten Straßen im Kreisgebiet. Vollkommen unverständlich erscheint vor diesem Hintergrund das magere ÖPNV-Angebot auf der Nibelungenbahn im 60-Minuten-Takt mit ein paar einzelnen Verstärkern morgens, mittags und abends, sowie auf Abschnitten einige Busverbindungen.
Diese wichtige regionale Achse kann ihr volles Potenzial außerdem nicht entfalten, wenn in Bürstadt der Anschluss ausschließlich in Richtung Süden erreicht wird. Möchte man aus dem Kreis Bergstraße Richtung Groß-Gerau oder künftig auch Richtung Frankfurt Flughafen, ist ein Zwangsaufenthalt von fast einer halben Stunde vorprogrammiert. So erreicht man keine potenziellen ÖPNV-Kunden!
Um die miserable Anschlusssituation in Bürstadt in Richtung Norden zu verbessern, wird hier vorgeschlagen das Angebotskonzept auf grundsätzlich zwei Fahrten pro Stunde in einem 20/40-Minuten-Takt auszuweiten. Es handelt sich hierbei um die Auffüllung von mindestens 9 Fahrten pro Werktag, um die bestehenden Taktlücken zu schließen. Hierfür sind keine zusätzlichen infrastrukturellen Maßnahmen notwendig, sodass eine kurz- bis mittelfristige Umsetzung realistisch scheint.
Eine weitere wichtige Maßnahme stellt die Prüfung von zusätzlichen Bahnhaltepunkten für die Nibelungenbahn dar. Historisch sind die Siedlungen entlang der Strecke im letzten Jahrhundert stark angewachsen. Leider hat die Verkehrsplanung darauf nicht reagiert und betreibt planerisch und infrastrukturell ein Schienenkonzept im Zustand um die 1960er Jahre. Um die Bahn für mehr Menschen nutzbarer zu machen, müssen die Zugänge zu dieser vereinfacht werden. Durch zusätzliche Haltepunkte soll also die Flexibilität des ansonsten naturgemäß starren linienbezogenen Schienenverkehrs erhöht werden:
- Im Bürstädter Osten fehlt ein direkter Zugangspunkt zur Bahn nahe des Freizeitzentrums und des kürzlich großflächig ausgewiesenen Neubaugebiets im Bereich Sonneneck/Rodstücke.
- Schüler aus dem Ried, die die Karl-Kübel-Schule in Bensheim besuchen, könnten durch ein intelligentes Verkehrskonzept mit einem Bahnhaltepunkt nahe des Berliner Rings auf die Bahn gelenkt werden, wobei sich die Reisezeiten erheblich verkürzen würden. Freiwerdende Buskapazitäten könnten dann sinvoller verwendet werden.
- Pendlern der Firma Sirona könnte durch einen zusätzlichen Halt nahe der Fabrik- und Pfalzstraße in Bensheim der Zugang zum ÖPNV erleichtert werden.
- Ob ein Bedarfshaltepunkt am Bahnübergang zwischen Hofheim und Bobstadt sinnvoll ist, sollte ebenfalls geprüft werden.
- Zwischen den Bahnhöfen Bensheim und Auerbach sollte ein Haltepunkt "Bensheim-Schulzentrum" errichtet werden, um die nahe gelegenen 3 weiterführenden Schulen und den Elektronikmarkt "Euronics" regionale besser erreichbar zu machen. Gegenwärtig wird ein Großteil der Schülerscharen mit zusätzlichen Bussen zum Bahnhof gekarrt, von wo unter anderem in die Nibelungenbahn umgestiegen wird. Der gegenwärtige Fahrplan der Nibelungenbahn lässt eine Durchbindung nach Auerbach (dort besteht eine Wendemöglichkeit) unter Bedienung des neuen Haltepunktes problemlos zu, ohne dass daraus maßgebliche Betriebskosten für die Nibelungenbahn erwachsen. Die durch den Bahnhaltepunkt und ein intelligentes Linienkonzept frei werdenden Buskapazitäten können anderweitig genutzt werden.
Mit dem Auslaufen des gegenwärtigen Betriebsvertrags im Jahr 2037 sollte der Einstieg in den S-Bahn-Betrieb erwogen werden. Dafür sprechen zwei zentrale Gründe:
1) Die oben genannten dringend benötigten Haltepunkte lassen sich in ihrer Gesamtheit (Umsetzung aller Vorschläge) vermutlich nicht mit den gegenwärtigen Dieselfahrzeugen umsetzen. Elektrotriebzüge haben bessere Beschleunigungseigenschaften als Dieseltriebzüge, sodass in einem "Szenario S-Bahn" eine Umsetzung aller Haltepunkte realistisch scheint. Zudem verfügen S-Bahn-Fahrzeuge über eine erhöhte Anzahl Türen, die einen beschleunigten Fahrgastwechsel ermöglichen.
2) Eine kürzlich veröffentlichte Studie der TU Dresden im Auftrag der Bayerischen Eisenbahngesellschaft zum Thema alternative Antriebe im Schienenverkehr (https://beg.bahnland-bayern.de/de/aktuelles/gutachten-alternative-antrie...) stellt fest, dass ein Dieselbetrieb im regionalen Schienenverkehr ab einer Bedienung im Stundentakt auf lange Sicht grundsätzlich unwirtschaftlich ist. Somit stellt sich für den Kreis Bergstraße aus dem Grundsatz der Sparsamkeit heraus die Frage nach einer Elektrifizierung nach Auslaufen des Verkehrsvertrags im Jahr 2037, womit optimalerweise zeitgleich ein Angebotsschub durch ein neues S-Bahn-Konzept mit höherer Angebotsqualität einhergehen kann. Da bereits ein Teil der Nibelungenbahn unter Fahrdraht liegt und schon heute über den Tag mehr als eine Fahrt pro Stunde teilweise in Mehrfachtraktion gefahren wird, liegt der Gedanke nahe eine Komplettelektrifizierung per Oberleitung für den verbliebenen Abschnitt Hofheim - Bensheim-Sirona in Betracht zu ziehen. Details dazu muss ein Gutachten klären.

