Infrastruktur

ÖPNV-Vision: S-Bahn für Weschnitztal & Überwald

Die Verkehrsprobleme im Weschnitztal sind hinlänglich bekannt. Sofern die Umgehungsstraße für Mörlenbach kommt, wird sie dort sicher Entlastung bringen. Für den übrigen Verlauf der B38 (etwa in Rimbach und Fürth) stellt sich jedoch die Frage, ob die Umgebung mit noch mehr Straßen zugepflastert werden kann (oder soll; schließlich würden wichtige Lebens-/Erholungsräume dadurch beeinträchtigt).
Die Idee einer offensiveren ÖPNV-Strategie, um den Verkehrsproblemenen im Weschnitztal mithilfe bestehender Infrastrukturen Herr zu werden, wurde bisher nach meiner Wahrnehmung nicht diskutiert. Dabei ist das eigentlich die volkswirtschaftlich sinnvollere Methode vorhandene Strukturen erst voll auszunutzen, ehe neue Anlagen geschaffen werden...

Vorgeschlagen wird hier eine ganzheitliche ÖPNV-Strategie/Vision für die Teilräume Weschnitztal und Überwald, um diese besser erreichbar (=wettbewerbsfähiger) zu machen. Denn trotz Halbstundentakt auf der Weschnitztalbahn, besteht noch viel Optimierungsbedarf, um einen wirklich zumutbaren ÖPNV als ernstzunehmende Alternative zum MIV vermarkten zu können.
Um die Leistungsfähigkeit der Weschnitztalbahn zu erhöhen, sollten perspektivisch Elektrotriebzüge eingesetzt werden. Durch deren verbessertes Beschleunigungsverhalten und einer Ausgestaltung als S-Bahn mit vielen Türen für einen zügigen barrierefreien Fahrgastwechsel, ist sogar die Schaffung zusätzlicher Haltepunkte an ausgewählten Orten (z.B. Birkenau-Hornbach oder Mörlenbach-Mitte) möglich. Dadurch wird die nötige Nähe zum Kunden hergestellt, um die Bahn ein Stückchen flexibler zu machen (=> Bahn soll sich strukturell mehr am Kunden orientieren, nicht umgekehrt).
Eine weitere wichtige Voraussetzung zur Umsetzung dieses Konzeptes ist die Wiederherstellung der Kreuzungsmöglichkeit in Mörlenbach. Diese und neue Elektrofahrzeuge ermöglichen einen kostenneutralen Betrieb im Vergleich zu heute:
- Einsparung eines Fahrzeugs aus dem gegenwärtigen ineffizienten Betriebskonzept der Weschnitztalbahn mit 3 Fahrzeugen
- Einsatz des auf der Weschnitztalbahn frei werdenden Fahrzeugs auf der Überwaldbahn.
Somit ist trotz zusätzlicher Investitionskosten für Streckenbeschleunigung, Elektrifizierung und zusätzlicher Haltepunkte ein positiver Nutzen-Kosten-Faktor nicht unwahrscheinlich.

Eine S-Bahn-Einführung muss unbedingt Hand-in-Hand gehen mit einer Ausweitung des momentan vor allem schülerorientierten Regionalbusliniennetzes, der Schaffung von Ortsbussen als Zubringer in Birkenau, Mörlenbach und Rimbach, sowie einer Reaktivierung der Überwaldbahn. Die Überwaldbahn soll die schnelle Anbindung des Grundzentrums Wald-Michelbach an den Nah- und Fernverkehr in Weinheim/Mannheim sicherstellen und durch konkurrenzlose Fahrzeiten ggü. den heutigen Busverbindungen und Pkw den Überwald als Wohn- und Erholungsstandort stärken. Durch die bessere Erreichbarkeit wird Wald-Michelnbach auch als potenzieller Wirtschaftsstandort interessanter, sodass eine Umnutzung des derzeitig ungenutzten Coronet-Geländes nicht unwahrscheinlich erscheint.

Nur mit einer solchen ganzheitlichen Strategie kann der ÖPNV als unmittelbarer (umweltfreundlicher) "Konkurrent" zum Straßenverkehr im Verlauf der B38 und harter Standortfaktor für die Region entwickelt und die Lebensqualität signifikant verbessert werden.
Möglicher Umsetzungshorizont: Mit Auslaufen des gegenwärtigen Betreibervertrages im Jahr 2037 (= 19 Jahre ab 2018).