Wohnen
Mobilität präziser ausbauen
Die Mobilität ist für Pendler und Studenten der Region entscheidend, um diese für die Region zu gewinnen. Die ÖPNV kreisübergreifend mit (Elektro-) Carsharing-Angeboten, einer Mobilitätsinfozentrale und lokalen Bussystemen planen.
Anmerkung der Redaktion: Diese Idee wurde auf dem Bürgerforum in Fürth am 9. April 2018 entwickelt.


Kommentare
am 23. Jun. 2018
um 14:14 Uhr
"Mobilitätsgrundnetz" / Grundlagen für attraktiven ÖPNV schaffen
Zur Konkretisierung von "ÖPNV kreisübergreifend ausbauen" und "lokale Bussysteme fördern":
Beispiel: Zwischen dem Kreis Bergstraße und dem Odenwaldkreis hat es nie attraktive Angebote gegeben, die auf die Mobilitätsbedürfnisse der Bevölkerung abgestimmt waren. Ehemalige Post-/Bahnbusverbindungen zwischen Erbach/Michelstadt und Weinheim/Bensheim/Heppenheim stellten mit ihren ca. 4-5 Fahrten pro Tag und Verbindung auf ihrer vollen Länge nie eine akzeptable Alternative zum eigenen Pkw war. Hinzu kommt, dass die Idee "Verkehrsverbund" - ein Fahrschein für den gesamten ÖPNV - damals noch im Aufbau war und sich durch die Digitalisierung die ÖPNV-Nutzung im Vergleich zu den 1980/90er Jahren erheblich vereinfacht hat!
Ruftaxi oder andere bedarfsgesteuerte Angebote laufen auf wichtigen Relationen zwischen den Zentren der Region nachfragemäßig ins Leere (das sind Notversorgungslösungen für Feinerschließung - keine attraktiven Angebote für stabile kreisübergreifende Verbindungen!). Diese Aspekte betone ich deshalb, da ich bei Diskussionen immer wieder das sachlich falsche Äpfel-Birne-Vergleich-Argument zu hören bekomme "da hat es damals keine Nachfrage gegeben, folglich macht es heute auch keinen Sinn etwas zu verbessern".
Die Kreise Bergstraße und Odenwaldkreis - aber auch die anderen Nachbarkreise - können ihre Tourismus-Potenziale und gegenseitigen Stärken niemals abschöpfen bzw. miteinander nutzen, wenn nur innerhalb der Kreisgrenzen gedacht wird oder auf wichtigen Verbindungen mit irgendwelchen schwer kommunizierbaren und kaum praxistauglichen Bedarfsangeboten experimentiert wird.
=> Freizeitziele und Wirtschaftsstandorte (wir haben viele Mittelständler und Kleinunternehmen im Odenwald!!) vernetzen, um Aktivitätenketten und zumutbares(!) Berufspendeln mit dem ÖPNV zu ermöglichen! Nicht nur saisonal im Sommer. Wir brauchen ein ganzjähriges Mobilitätsgrundnetz für Jedermann und nicht nur für paar Touristen oder ÖPNV-Gutgesinnte! Man muss nur einen Blick in die Pendlerstatistiken werfen, bis man feststellt, dass das aktuelle Regionalbusangebot für viele Menschen nahe der Kreisgrenze am Bedarf vorbeigeplant ist. Oder wie ist zu erklären, dass aus der Oberzent und dem Überwald oder zwischen Lautertal und dem Kreis Darmstadt-Dieburg beachtliche Pendlerverflechtungen zwischen den Kreisen bestehen, während im ÖPNV zu ersterem nur montags bis freitags ein mageres ungetaktetes Rufbusangebot mit Betriebsschluss um 16/17 Uhr angeboten wird und zu zweitem nur ein Schulbus zwischen Gadernheim - Brandau - Beedenkirchen - Bensheim das Rückgrat des ÖPNV darstellt??
=> Mehr ÖPNV-Kooperationen zwischen den Kreisen dringen erforderlich. Nur so kann die "Kulturregion Odenwald" auch im Busliniennetz widergespiegelt werden! Der Kreis hat schon an vielen Stellen ein gutes Grundangebot, das es zusammen mit dem Odenwaldkreis, Rhein-Neckar-Kreis, Kreis Groß-Gerau und Kreis Darmstadt-Dieburg auszubauen gilt!
=> Als Ziel könnte eine Verkehrsverlagerung vom Pkw zum ÖPNV um ca. 5-10% formuliert werden. Das ist zwar mit Blick auf strenge Klimavorgaben nicht ausreichend, aber ein realistischer Anfang für den strukturell grundsätzlich ÖPNV-begünstigten Kreis Bergstraße!
=> Mehr gesellschaftliche Teilhabe für die gegenwärtige Hauptkundengruppe des ÖPNV: Schüler, Auszubildende, Studierende, Pkw-lose Erwachsene, Ältere die selbstständig ohne Auto mobil sein wollen und nicht bei Freunden/Verwandten um Mobilität betteln wollen. Jedes Unterlassen von Angebotsverbesserungen im ÖPNV ist in erster Linie eine gesellschaftliche Benachteiligung dieser Gruppen!
Zum Thema "attraktivere Orts-/Stadtbusse" muss sich jede Kommune überhaupt mal bewusst werden, OB und wenn ja WAS sie im Verkehr eigentlich erreichen will:
Entweder ein vor sich hindümpelnder Zwangskunden-ÖPNV mit hohem Subventionsbedarf, oder aber ein kundenorientierter ÖPNV mit geringerem Subventionsbedarf. Netto schießt man am Ende schlimmstenfalls gleichviel zu, hat aber die nahräumlichen Mobilitätsbedürfnisse der Einwohner einer Kommune (hier seien explizit Bürstadt, Bensheim, Heppenheim und Lampertheim als Orte mit Stadtverkehren angesprochen) hinreichend erfüllt, sodass schon jetzt ein bewusster Verzicht von umsteigewilligen Pkw-Nutzern oder besser ein offensives Marketing des Kreises mit Incentives für potenzielle ÖPNV-Kunden vorangetrieben werden kann. Aber auch Orte wie Birkenau oder Mörlenbach sollten nicht den Kopf in den Sand stecken und sich Gedanken darüber machen, ob deren innerkommunaler ÖPNV nicht an potenzieller Kundschaft vorbeigeplant ist. In Bensheim wird es leider auch nach Umsetzung des neuen Stadtbuskonzeptes kaum Verbesserungen geben - leider; in Heppenheim und Bürstadt sieht es da geringfügig besser aus.
=> Der Kreis darf sich nicht aus seiner Verantwortung als Aufgabenträger für den gesamten ÖPNV im Kreisgebiet stehlen, indem bei Diskussionen um Stadtverkehre einfach auf die Kommunen verwiesen wird mit "ist kommunale Angelegenheit, wir sind da nicht zuständig". Mobilitätsbedürfnisse enden selten am Bahnhof oder ZOB: Die Gestaltung des Angebots für Einpendler, die per Bahn oder Regionalbus im Ort ankommen und auf einen Stadtverkehr umsteigen müssen um weiterzukommen, sind als Mitbestandteil des Regionalverkehrs auch für den Kreis interessante Kundengruppen. Im Odenwaldkreis werden für den Citybus Erbach/Michelstadt 30% der Betriebskosten durch den Kreis mitgetragen. Solche Modelle sollte auch der Kreis Bergstraße prüfen und nicht die alleinige Verantwortung auf die Kommunen abwälzen.
=> Anreize für Kommunen schaffen ihre Stadtverkehre zu verbessern, um mehr Stadt-Umland-Pendler für den ÖPNV zu gewinnen.
Bei dem Bürgerforum wurde auch angesprochen, dass Marketing für den ÖPNV wichtig sei. Das teile ich zu 100%, nur muss ich leider enttäuschen, wenn geglaubt wird durch ein bisschen Marketing für wenige gut ausgebaute Strecken vorzeigbare ÖPNV-Anteile am Verkehrsaufkommen im Kreis Bergstraße zu erreichen. Dazu hapert es schlicht und ergreifend an einfachsten Grundlagen, die Verkehrsplaner in den ersten Semestern lernen, von denen ich oben nur zwei skizziert habe! Darum ist es auch wichtig im Fahrgastbeirat und in anderen Arbeitsgruppen keine Oberflächendiskussion zu führen, sondern die Details aufzubohren und eine zielführende ÖPNV-Strategie zu fahren (=> Kooperationen mit Fahrgästen und Verbänden aufrechterhalten und als Chance begreifen).
Dazu muss der Kreis bzw. eher die Kreispolitik uneingeschränkt anerkennen, dass es Probleme gibt, die Lösung dieser wichtig und das partiell gute Netz noch extrem ausbaubedürftig ist!